Aufbruch ins Kriegsgebiet – Urlauber im Wahn?

Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein und dann nichts wie raus nach Syrien! Wie Reisewarnungen und Flächenbombardements den Urlaubern an der Badehose vorbeigehen und Schnäppchen uns verrohen lassen.

Sie kommen, um diese Stadt einzunehmen! Eine kleine Armee ausgestattet mit bunten Frotteehandtüchern, Strohhüten, Sonnenbrillen und genug Feierkapazitäten, um die entfernten Bombenschläge einfach zu ignorieren.

Diese Soldaten der manischen Reiselust kommen aus allen Herren Länder und keine Reisewarnung kann sie aufhalten in ein Flugzeug zu steigen und in die gefährlichsten Gebiete der Welt zu fliegen.

Doch wer sind diese Soldaten und was ist ihr mysteriöses Ziel?

Sehen sie nicht auch das Meer? Schön, oder?

Die Antwort darauf ist, dass sie Schnäppchenjäger sind mit der heiligen Mission des ultimativgünstigen Traumurlaubs.

Die Gefahren, die ein solcher Urlaub mit sich bringt, ist jenen natürlich zur Gänze bekannt, aber das muss nicht heißen, dass sie die Expertenmeinungen der auswärtigen Ämter auch wirklich für bare Münze nehmen. Schließlich geht es doch vielmehr um die klingenden Münzen in der Urlaubskasse.

Aber vielleicht sollte man diese Urlauber nicht auf billige Schnäppchenjäger reduzieren, sondern sollte auch beachten, dass den Urlaubern normalerweise nichts zustößt, da sie weit abseits vom echten Kriegsschauplatz am Strand liegen und sich in der Sonne braten lassen.

Doch irgendwie kommt es mir doch so vor, als hätte der letzte Satz einen bitteren Nachgeschmack gehabt. Ihnen etwa auch?

Die Wahrheit ist nämlich, dass es nicht darum geht, dass es immer wieder Urlauber gibt, die in instabilen Gebieten ihr Luxushotel zum Schnäppchenpreis genießen – denn schließlich hängen an diesen Hotels auch etliche Existenzen, die bezahlt werden müssen – sondern es geht darum, dass es jenen Urlaubern anscheinend egal ist, dass zwanzig Zentimeter weiter auf der Karte von Google Maps Bomben in Wohnhäuser einschlagen.

Ist das nicht die ultimative Perversion, dass wir an den Orten unseren Urlaub „genießen“, wo so viele Blutbäder verübt werden, dass die Zeitung schon fast nicht mehr hinterherkommen über alle zu berichten? Oder stimmt das gar nicht? Berichten die Zeitung etwa lückenlos über all diese Gräueltaten, nur könnte es sein, dass wir abgestumpft sind oder, im schlimmsten Fall, dass wir davon gar nichts mehr hören wollen? Könnte das sein? Damit wir beruhigt in den Urlaub fliegen können, ohne das schlechte Gefühl zu haben, etwas moralisch Fragwürdiges zu tun?

Nein, das kann doch nicht wahr sein, oder? Schnell wird „unser Freund Google“ gefragt und siehe da, der Reisezauberbegriff „Urlaub“ wird bei Ägypten und den Philippinen an erster Stelle und bei Myanmar an zweiter Stelle in meinem Suchbalken ergänzt. Sicherlich ist „Google“-Journalismus keine zuverlässige Quelle, doch wenn man auf Reiseportale geht wird man ebenfalls schnell fündig, wenngleich man natürlich keine komplett ausgebuchten Hotels findet, so sieht man doch erschreckend häufig das rote „Bereits-Belegt“-Kreuz im Kalender der Hotels.

Und sollte dann doch einmal etwas in Richtung „Enthauptung“ oder „abgeschossenem Flugzeug“ passieren, dann heißt es überall nur, dass man ja auch selber Schuld ist.

Aber das trifft nicht zu!

Reiseprotale wissen, wie sie gekonnt den Nimbus der heilen Welt zaubern können und wem könnte man es schon verübeln, weich zu werden im Angesicht der Cheops-Pyramide, einem endlosen weißen Strand und einem prunkvollen 5-Sterne Hotel für nur ein paar hundert Euro?

Trotzdem darf man nicht vergessen, dass die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte verlautbaren ließ, dass sich Ägypten aus ihrer Sicht zu einer „willkürlichen und grausamen Langzeitdiktatur“ entwickelt habe.

Denn egal wie falsch ich den Schnäppchenurlaub in Krisengebieten halte, so sollte es doch nicht nur die Aufgabe des Auswärtigen Amtes sein auf so etwa hinzuweisen, sondern es sollte auch unsere Pflicht als Reiseportal, Familienmitglied oder Miturlauber sein.

Schließlich ist Geld nur Geld und Urlaub nur Urlaub, aber das Leben ist zu kostbar, um es für ein 5-Sterne Luxushotel direkt am Meer wegzuwerfen.

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